Bundesarbeitsminister Hubertus Heil in der Marburger Produktionsschule

„Das war schon aufregend, wenn einem so ein Bundesminister gegenübersteht“ erzählte Lucas (Name geändert). Er und zwei andere Teilnehmer aus der BvB-Reha hatten sich bereit erklärt, bei dem Besuch des Bundesarbeitsministers Hubertus Heil für Fragen zur Verfügung zu stehen. Lucas erklärte, was er genau hier in der MPS macht. Der Bundesminister lobte und ermutigte die drei Jugendlichen, sich für eine Ausbildung vorzubereiten, denn diese sei die wichtigste Eintrittskarte für eine erfolgreiche Berufswelt. Zur Veranschaulichung erzählte der Minister aus seinem privaten Umfeld von einem jungen Mann, der durch einen Autounfall beide Eltern verlor, seine Ausbildung abbrach und viele Jahre weder arbeiten noch lernen konnte. Auch er habe es geschafft und arbeitet heute als Hausmeister in einer Schule. „Arbeiten ist mehr als Broterwerb“, sagt der Minister und in Richtung der anwesenden Vertreter*innen von Stadt, Land und verschiedenen Bildungsträgern: „Wir brauchen solche Instrumente wie die der Produktionsschule. Mit Scheinmaßnahmen kriegen wir die Leute nicht in Arbeit“.

Hubertus Heil war auf Einladung des heimischen Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (SPD) gekommen. Bei einem Rundgang durch die MPS stellten Angelika Funk und Kordula Weber dem Bundesminister die verschiedenen Projekte von Arbeit und Bildung e.V. vor. Die Anwesenden waren erstaunt, wie gut er sich mit den einzelnen Instrumenten wie AGH, § 16i, BvB-Reha, Budget für Arbeit u.a. auskannte. Mit dem Hinweis auf die Arbeit mit Frauen, die ein besonderes Augenmerk brauchen, gab der Bundesminister zu, dass viele Programme meist „männlich“ seien und hier Verbesserungsbedarf bestehe. Bei der Vorstellung der Arbeit mit Migrant*innen und Geflüchteten bemerkte Steffen Rink, dass es insbesondere bei der Sprachförderung noch „Luft nach oben“ gäbe.

Das große Thema Digitalisierung wurde angesprochen und die notwendigen kreativen Lösungen, um trotz Digitalisierung die wichtige Beziehungsarbeit mit den Menschen beizubehalten. Angelika Funk äußerte die Forderung, dass nicht nur die Schulen, sondern auch Bildungsträgern Mittel für die Digitalisierung zugesprochen werden sollten.

Im folgenden Fachgespräch wurden dem Bundesminister weitere Sorgen und Nöte aus der Bildungsträgerschaft vorgebracht. Neben Vertreter*innen von Arbeit und Bildung e.V. waren u.a. die Landrätin, Verantwortliche der Arbeitsagentur, des Kreisjobcenters, der JUKO, des BWHW, Integral, der Adolf-Reichwein-Schule, des Ausländerbeirates, von BSJ und Rotary Club dabei. So kamen finanzielle Probleme, die Sorge um die Jugendlichen, Auswirkungen durch Corona und Erfahrungen mit der Zertifizierung zur Sprache. Die besondere Bedeutung der guten Vernetzung der einzelnen Träger auch mit den Schulen wurde hier deutlich und vom Bundesminister gelobt. Er versprach, die vorgetragenen Themen nach Berlin mitzunehmen und in seine Arbeit einzubringen. Wir danken für die tolle Gelegenheit, auf dieser Ebene für unsere Belange und die unserer Klient*innen sprechen zu können!